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Jan Hoffmann (gelbes Trikot) als Schiedsrichter beim Renew-Cup-Spiel zwischen dem TV Lilienthal und den Red Devils Wernigerode (Foto: Stefanie Dabrowski | reddevils.org)

In Floorball Deutschland kennt man Jan Hoffmann vorrangig als äußerst begabten Schiedsrichter. Jeweils im Juni sorgt er gern bei den Stena Line Deutschen Meisterschaften aber auch als Spieler auf dem Kleinfeld für Angst und Schrecken. In Schleswig-Holstein könnte man dem langen Rotblonden auch begegnen, wenn man es mit der Feuerwehr Osdorf zu tun bekommt. Beruflich steckt der Freiberufler alle Energie in seine Firma jhoit.de, mit der er für zahlreiche Unternehmen Webanwendungen entwickelt.
Und dann ist Jan Hoffmann noch Kopf einer Arbeitsgruppe, die sich um den Saisonmanager von Floorball Deutschland kümmert. Zu seinem Team gehören Timo Köllner aus Baden-Württemberg und Pascal Riedel aus Schleswig-Holstein. Im Interview berichtet er über den aktuellen Stand der Anwendung, an der kein Liga-Spieler in Deutschland vorbeikommt.
Jan, der Saisonmanager ist seit Ende August wieder online. Wie viele Nachtschichten von Seiten des Entwicklerteams stecken in dem Programm?
In Zahlen lässt sich das nicht beziffern. Wir stemmen das ganze komplett ehrenamtlich, deshalb ist es vielleicht auch gar nicht so schlecht, es nicht zu wissen. Neben den vielen Abendstunden habe ich mir aber auch eine Woche frei genommen und nur am Projekt gearbeitet. Nachdem wir letzten Sommer schon sehr große Umbauarbeiten hatten, sind wir diesen Sommer den zweiten wichtigen Schritt gegangen und haben den Saisonmanager auf ein komplett neues Fundament gesetzt.
Damit wir den Umbau überhaupt im Sommer gemeistert bekommen haben wir in drei Phasen gearbeitet. Für die Vorbereitungen haben wir uns eine komplette Saisonmanager-Kopie erstellt und dort alle Änderungen vorbereitet und durchgeführt. Diese Arbeit ist vor der Öffentlichkeit komplett versteckt geblieben, erst der zweite Teil der Arbeit machte es notwendig, den Saisonmanager-Login für fünf Tage zu deaktivieren und in dieser Zeit die Daten zu migrieren. Parallel dazu haben wir das neue System mit Roland Büttner von der Geschäftsstelle und Pascal Riedel aus Schleswig-Holstein intensiv getestet. Der eigentliche Wechsel vom alten auf das neue System konnte innerhalb eines Tages komplett abgeschlossen werden. Sofort nach der Umschaltung konnten wir den Spielbetriebskommissionen in den Landesverbänden Zugriff auf die neue Saison ermöglichen. In dieser dritten Phase haben wir versucht, alle gemeldeten Fehler innerhalb weniger Stunden zu beseitigen, die Mitarbeiter in den Landesverbänden waren hier sehr kooperativ und haben dafür gesorgt, dass wir ohne Verzögerungen am Montag starten konnten und in den meisten Verbänden die Spielpläne schon komplett hinterlegt sind.
Das System läuft jetzt seit einigen Tagen ohne große Probleme, aus meiner Sicht kann die neue Saison also starten.
Vor zwei Jahren habt ihr das Projekt übernommen, den sogenannten Saisonmanager zu optimieren. Welche Veränderungen kann das Programm zur neuen Saison aufweisen?
Ich habe das Projekt übernommen, weil ich der Meinung war, es muss mit dieser zentralen Software einfach jetzt voran gehen und wir können nicht weiter warten. Wie sicherlich jeder versteht, ist das aber ein ganzer Berg voll Arbeit. Ziel für den Saisonstart war das neue Fundament. Mit diesem neuen Fundament haben wir die Grundlage für einige Projekte geschaffen, die mir sehr am herzen liegen: Ich möchte eine neue Eingabemöglichkeit für Spielberichte schaffen, die es allen Vereinen ermöglicht, die Daten direkt in der Halle zu erfassen. Einige Vereine kämpfen sich schon heute in der Halle durch die Eingabe, auch wenn der Einsatz hier lobenswert ist, ist das ein Problem, welches wir technisch lösen müssen. Auf der anderen Seite möchte ich für die Landesverbände Stück für Stück kleine „Helferchen“ bereitstellen, die ihre Arbeit deutlich erleichtern. Ein kleines alltägliches Beispiel: Fast wöchenlich bekomme ich von den Kommissionen Anfragen, in welchen Verein ein bestimmter Spieler aktuell ist. Es gibt für die Kommissionen aktuell keine Möglichkeit, dies schnell selber herauszufinden, sie müssten alle Vereine mühsam durcharbeiten.
Welches Potenzial hätte das Projekt, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würde? Und abgeglichen mit der Realität: Wo willst du das Projekt in  den nächsten Jahren hinführen?
Von den als nächstes geplanten Änderungen profitieren vor allem die Vereine und Verbände. Ich denke, es ist am wichtigsten dort anzusetzen, wo die Not aktuell am größten ist. Zusätzlich zu den oben genannten Punkten will ich das Archiv auch endlich in den aktuellen Saisonmanager ziehen, das ist aber noch etwas Arbeit, weil die Daten teilweise nicht wirklich kompatibel zueinander abgelegt sind.
Natürlich gibt es aber auch mittel- und langfristig schon viele Ideen. Wir werden auch in der Zukunft den Weg gehen, dass wir sobald es was konkretes gibt, offen über das Projekt berichten. Ein regelmäßiger Blick auf floorball.de lohnt sich also. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, wären wir heute natürlich deutlich weiter, alleine weil ich noch mehr Tage in den Saisonmanager stecken könnte. Aber bleiben wir realistisch, aktuell ist das nicht drin.