Am Ende wurde es ein historischer Punktgewinn. Noch nie ist den deutschen Floorballdamen gegen Lettland ein Remis geglückt. In den beim Weltverband acht gelisteten Begegnungen GER – LAT hieß der Sieger jeweils Lettland. Dass sich an dieser Serie nichts ändern wird, danach sah es zunächst wieder aus. Doch im zweiten deutschen Vorrundenduell der Weltmeisterschaft im finnischen Tampere gelang dem Team von Bundestrainer Simon Brechbühler nach einem 0:3-Rückstand eine tolle Aufholjagd, die mit dem 3:3 (0:3/2:0/1:0) belohnt wurde.
 
Eiskalt erwischt
Es begann gut. Die Anfangsphase gehörte dem Team um Kapitän Franziska Kuhlmann (Zug United). Und wer weiß welchen Verlauf die Partie genommen hätte, wenn Anne-Marie Mietz (MFBC Grimma) nach 2:09 Minuten anstatt die Latte ins Schwarze getroffen hätte oder 40 Sekunden darauf ein Schuss aus gleicher Position von Pauline Baumgarten im lettischen Tor gelandet wäre.
So erwischte es Deutschland in der 5. Minute eiskalt: Ein verlorener Zweikampf an der Mittellinie und eine ungeordnete Defensive führte zum 0:1 – wobei Strafe gegen Deutschland angezeigt war. Danach verloren die Schützlinge von Bundestrainer Simon Brechbühler die Linie; Lettland dominierte über weite Strecken das Geschehen, störte früh den deutschen Spielaufbau.

WFC 2015 GER-LAT: Interview mit Simon BrechbühlerAuch der Bundestrainer, Simon Brechbühler, stand uns nach dem Spiel gegen Lettland für ein Interview zur Verfügung.

 
Immerhin, Kuhlmann holte in der 8. Minute einen Penalty heraus, zu dem sie selbst antrat. Doch die lettische Keeperin schnappte ihr den Ball mit der Hand weg. Das folgende Power-Play verlief ergebnislos.
Das 0:2 in der 13. Minute glich vom Ablauf dem ersten lettischen Treffer. Wieder ein Ballverlust an der Mittellinie, die Lettin wurde danach nicht wirklich am Solo und Schuss aufs Tor gehindert. Keine 60 Sekunden später war Torfrau Indra Reck dann machtlos. Dieses Mal war es ein vermeintlich harmloser Fernschuss, der hinter ihr zum 0:3 im Netz zappelte. Reck war dabei allerdings die Sicht genommen.
 
Völlig anderes Spiel

Der zweite Abschnitt gehörte ganz klar Deutschland. Mehr Wille, mehr Intensität, schnelle und direkte Pässe, ansehnliches Kombinationsspiel, nachsetzen und frühes stören. All dass, was im ersten Drittel fehlte, war nun zu sehen. Doch die Torausbeute war zunächst unbefriedigend. Zumindest verhinderte Indra Reck im Tor mit sechs weiteren Paraden, dass Lettland – in dieser Phase auch unverdient – einen weiteren Treffer markierte.

 
Die Erlösung in der 27. Minute: Die Schiedsrichterinnen zeigten eine Strafe gegen Lettland an, Deutschland schickt eine sechste Feldspielerin aufs Feld. Kuhlmann bekam einen scharfen Querpass von Pauline Baumgarten (Weißenfels) und zog zum 1:3 ab.
Mehrere gute Chancen ließen die deutschen Damen bis kurz vor der zweiten Pause ungenutzt, bis es erneut eine Strafe gegen Lettland gab. Nach 45 Sekunden in Überzahl zog Ina Jensen (ETV Piranhhas Hamburg) von links ab. Beim von der Torfrau mit dem Fuß abgewehrten Ball stand Kuhlmann goldrichtig und markierte das 2:3.
 
Hattrick und Ausgleich
Deutschland ließ im letzten Drittel nicht nach, legte über weite Strecken Spielfreude an den Tag, hatte aber auch bei einigen Möglichkeiten der Lettinnen Glück. So etwa in der 54. Minute, als Reck einen Ball nicht festhalten konnte, der Nachschuss aber an die Latte klatschte. Wieder war es dann eine Zwei-Minuten-Strafe gegen Lettland, die Deutschland zum Ausgleich nutzte. Nach 20 Sekunden in Überzahl spielte Baumgarten schulbuchmässig auf Kuhlmann, die in der Mitte vorm Tor lauerte und direkt flach ins rechte Eck einnetzte – Hattrick und Ausgleich!
Die letzten Minuten gab Deutschland noch einige gefährliche Schüsse ab, allerdings Simone Schwarz (Alvsjo AIK/SWE), Laura Neumann, Katja Leonhardt (beide Weißenfels) und Mietz verpassten ein mögliches „Golden Goal“. Dennoch reckte Mietz mit der Schlusssirene die Faust nach oben und das Team feierte den erkämpften Teil-Erfolg.

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Am Montag geht es im letzten Gruppen-Match gegen Tschechien. Ab 14.30 Uhr (MEZ) wollen die deutschen Damen an ihre Leistung gegen Lettland anknüpfen und die vierten der letzten WM mehr als nur etwas ärgern. Da Deutschland nach der Partie Schweden – Lettland ran muss, kann Brechbühler mit seinen Schützlingen eventuell sogar taktieren, um über die Tordifferenz den dritten Platz zu sichern. Lettland hatte gegen Tschechien mit 2:15 verloren, Deutschland gegen Schweden mit 1:16. Die Partie GER – CZE wird im Internet live auf sportdeutschland.tv übertragen
 
Die Partie GER – LAT kann nachträglich auf sportdeutschland.tv angeschaut werden.
Mehr Infos zur Damen-WM in Tampere beim Weltverband IFF unter www.floorball.org