Annett Böttcher hält es nicht auf ihrem Sitz. „Los Jungs, kämpfen“, feuert sie das deutsche Floorballteam an. Kurz darauf ärgert sich Sohn Florian (15): „Da darf er sich doch nicht fallen lassen, das gibt eine unnötige Zeitstrafe.“ Kathrin und Jörg Siede stimmen unterdessen an: „Auf geht’s Deutschland, auf geht’s.“

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Jörg und Kathrin Siede (links), Florian, Jan und Annett Böttcher sind seit Jahren Stammbegleiter der Herren-Nationalmannschaft. (Foto: Matthias Kuch)

Lettland, Riga, Floorball-WM 2016. Unter den Zuschauern sind die Familien Böttcher aus Weißenfels, Siede aus Halle/Saale und Dietz aus Hamburg. Sowas wie der harte Kern der deutschen Fans. Die Söhne Tim Böttcher (25) und Matthias Siede (26/beide Weißenfels) wirbeln zusammen unten auf dem grünen Spezialboden, während Mike Dietz sich im Tor in die Schüsse der Gegner schmeißt.

Großeltern erstmals nicht dabei

Für Familie Böttcher ist es bereits die sechste WM-Reise. Allerdings erstmals ohne die Großeltern Inge, Horst und Johanna. „Aus gesundheitlichen Gründen“, sagt Annett Böttcher, „sie fiebern aber zu Hause vor dem PC mit und schauen die Liveübertragung im Internet.“

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Tim Böttcher (Foto: IFF)

„Dass meine Familie immer dabei ist, ist mir extrem wichtig“, betont Tim Böttcher. Die Familie – für ihn ein echter Rückhalt. Zwar sehe man sich während des Turniers kaum, „doch am Montag, an unserem freien Tag, haben wir uns zufällig in der Stadt getroffen. Das war toll“, so Tim. Und am Freitag trafen sich alle bei einem geselligen Abend, organisiert durch die deutsche Botschaft in Riga.
Böttchers sind mit Tim schon ordentlich rumgekommen. „Zweimal haben wir ihn zu einer U19-WM begleitet, viermal waren wir jetzt bei den Herren dabei“, erzählt Vater Jan Böttcher. Je zweimal Schweiz und Finnland, einmal Schweden und jetzt Lettland haben sie so bereist. Ebenso Familie Siede, die zwar zweimal weniger dabei, aber in denselben Ländern waren.

Ganz anderes Niveau

„Man sieht bei einer WM Floorballspiele auf einem ganz anderem Niveau als in Deutschland“, schwärmt Jörg Siede während er die Partie des Weltmeisters Schweden gegen Tschechien verfolgt. Sein Sohn nahm einst beim USV Halle seinen ersten Floorballschläger in die Hand.
„Wir bewundern, wie fokussiert er seinen Sport nachgeht und trotz Dreischicht-Arbeit jedes Training wahrnimmt“, lobt Kathrin Siede. „Wir hoffen, dass er noch lange dabei bleiben kann.“ Und er eines Tages nicht mehr international spielen sollte, „wollen wir dem Floorball trotzdem treu bleiben“, sagen die beiden.

Eine große Ehre

Petra und Dieter Dietz aus Hamburg begleiten Mike zum vierten Mal bei einer WM. Einmal waren sie bei der U19 dabei und verfolgten die letzten drei Herren-Titelkämpfe. Dazu kommt noch eine U19-WM-Teilnahmer von Tochter Michelle (23). „Sie studiert mittlerweile in Schweden, spielt da zwar noch Floorball an der Uni, hat sich aber vom Leistungssport verabschiedet“, erzählt Mutter Petra.

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Tormann Mike Dietz vom ETV Hamburg bestreitet seine insgesamt vierte WM.

„Wir hätten diese Länder wohl nie bereist“, gibt die Hamburgerin zu. Finnland, Schweiz Schweden, Lettland und die Slowakei stehen auf der Dietz-Liste. Petra war zudem bei der WM-Qualifikation in den Niederlanden dabei. „Und natürlich beschäftigen wir uns auch mit den Spielorten, besuchen Museen, machen Stadtrundfahrten“, erzählt Petra Dietz.
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Petra und Wolfgang Dietz fiebern mit dem Nationalteam und Sohn Mike im Tor. (Foto: M. Kuch)

„Und es immer spannend und natürlich toll, den eigenen Sohn bei solchen Events spielen zu sehen.“ Für sie selbst sei das bei den Spielen immer purer Stress. „Manchmal ist mir vor Aufregung und Mitfiebern richtig schlecht“, verrät Petra. „Aber ist eine große Ehre, dass Mike spielt und ich verspüre auch etwas Stolz.“

Florian in Startlöchern

„Ja, das mit den WM-Reisen kann gern so weiter gehen“, finden auch die Böttchers. Eine Fortsetzung ist gut möglich. Selbst wenn Tim nach seinem Lehramtsstudium aus beruflichen Gründen nicht mehr im Nationalteam spielen kann, Florian steht bereits in den Startlöchern.
„Mein großer Traum ist es, eine WM mit meinem großen Bruder zu spielen“, sagt Florian, der von seiner Schule mit Floorball-Sonderurlaub keine Steine in den Weg gelegt bekommt. Im kommenden Jahr will er sich für die deutsche U17-Auswahl empfehlen.
An Florians Karriere feilt sogar Tim. Denn er ist der Trainer der U17 des UHC Weißenfels. „Er hat fast einen besseren Schuss als ich und schult von Stürmer auf Verteidiger um. Da hat er mehr Zeit für harte Schüsse.“ Dass dieses Vorhaben gelungen ist, bekam Florian übrigens von seinen Großeltern bestätigt. „Sie finden, ich spiele nun besser.“